Die ersten 100 Tage in der neuen Position: Keine Zeit für Fehler

10.04.09

Von Gehard Selic, Management-Berater bei der SKP AG

Eine Schonzeit für „den Neuen“ oder „die Neue“ – das gibt es in Führungspositionen nicht. Im Gegenteil: Es gilt, möglichst schnell auf „Betriebstemperatur“ zu kommen, die internen Spielregeln des Unternehmens zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und Ergebnisse zu erbringen. Getreu dem Motto: „Es gibt keine zweite Chance, einen positiven ersten Eindruck zu machen“, sind die ersten 100 Tage im neuen Job gerade für Führungskräfte von grundlegender Bedeutung. Damit der Neuanfang kein Fehlstart wird, setzen immer mehr Top-Führungskräfte auf die Unterstützung erfahrener Management-Berater.

Die meisten Führungskräfte, die eine neue Position antreten, fühlen sich wie ein Wanderer in unbekanntem Gelände: Je höher er aufsteigt, desto einsamer wird es. Die Luft wird dünner, die Wege sind weder festgetreten noch gesichert und ein falscher Schritt reicht, um sogar einen erfahrenen und zielstrebigen Wanderer zu Fall zu bringen. Weil der gelungene Start in die neue Führungsposition von großer Bedeutung für die Akzeptanz, die Durchsetzungskraft und den Erfolg des neuen Stelleninhabers ist, lassen sich viele Top-Manager durch die ersten Wochen im neuen Job von einem persönlichen Berater oder Coach begleiten. Manager, die sich bei ihrer beruflichen Neuorientierung von einem Outplacement-Berater unterstützen lassen, sollten von vornherein darauf achten, dass ein so genanntes „Integrationscoaching“ – also die professionelle Begleitung der ersten 100 Tage - zum Beratungsumfang dazu gehört.

Strategien gegen Stolpersteine

Fach- und Führungskräfte, die von der SKP AG bei ihrer beruflichen Neuorientierung begleitet werden, können sicher sein, dass sie von ihrem Berater für ihre Gespräche im Unternehmen intensiv vorbereitet werden und praktisches Coaching für ihre Einarbeitungszeit erhalten. Ein Praxis-Tipp, der für eine strategisch geplante Einarbeitung sehr nützlich ist, ist das Erstellen eines detaillierten Aktivitätenplanes für die ersten Tage, Wochen und Monate. Ein solcher Plan hilft dem Neueinsteiger, trotz der vielen Eindrücke und Ansprüche, die in der ersten Zeit auf ihn einwirken, die eigenen Ziele nicht aus dem Blick zu verlieren oder sie gegebenenfalls mit dem Berater nachzujustieren.

Sparringspartner auf Augenhöhe

Der Berater, der eine Führungskraft in der Integrationsphase begleitet, sollte über eigene Managementerfahrungen verfügen, um optimal unterstützen zu können. Er hilft seinem Klienten beim Identifizieren von Schlüsselpersonen und -positionen im Unternehmen und weist ihn auf mögliche Stolpersteine hin, die gerade in Management-Positionen innerhalb der Probezeit häufig vorkommen. Während der gesamten Einarbeitungsphase hält der Berater engen Kontakt zu seinem Klienten, um sicherzustellen, dass er an den für sich persönlich wichtigsten Themen arbeitet und die entsprechenden Prioritäten setzt.

Erfolge sichtbar machen und Teams aufbauen

Wer als Führungskraft erfolgreich sein will, der sollte sich zunächst auf Aufgaben konzentrieren, mit denen er möglichst schnell sichtbare Erfolge erzielen kann. Frühe Erfolge sind ein stabiles Fundament für das künftige Wirken. Ganz wichtig dabei: Mitarbeiter dürfen durch den Führungskräftewechsel „nicht auf der Strecke bleiben“, sondern müssen vom ersten Tag an ernst genommen und in Aufgaben und Projekte eingebunden werden. Nur dann werden sie weiterhin motiviert mitarbeiten und ihre Rolle im neu formierten Team ausfüllen. Aus Studien wissen wir, dass Teambuilder- und Leadership-Fähigkeiten künftig noch stärker als heute zu den Kernkompetenzen von Führungskräften gehören werden. Für Manager, die in ihren bisherigen Tätigkeiten keinerlei oder nur wenig Führungserfahrungen sammeln konnten, ist das häufig eine der größten Hürden. „Leadership“ lernt man nicht auf der Universität. Bei der Weiterentwicklung dieser persönlichen sozialen und kommunikativen Kompetenzen kann ein intensives Coaching einen wichtigen Beitrag zu einer erfolgreichen Führungstätigkeit leisten.

Coaching für Konfliktscheue

Während es für viele Führungskräfte schwierig ist, im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen integrierend zu wirken und sensibel mit der für sie neuen Unternehmenskultur umzugehen, agieren andere wiederum zu vorsichtig. Auch das ist eine Gefahr für den eigenen Erfolg – und ein typischer Ansatzpunkt für ein intensives individuelles Coaching. Fest steht: Führungskräfte müssen konfliktfähig sein, um sich wenn nötig gegen Interessen anderer Bereiche oder Personen durchsetzen zu können. Ein Berater bzw. Coach kann dabei helfen, Führungsanspruch und Führungsverhalten positiv in Einklang zu bringen. Erst wenn sich der Klient bewusst über sein Verhalten in den unterschiedlichen Situationen ist, kann er dieses auch steuernd beeinflussen, ohne seine Persönlichkeit aufzugeben.